Andy Holzer - den Sehenden die Augen öffnen.

Andy Holzer

Jahrgang: 1966
Aktivitäten: extreme Bergsteigerei
Art des Sponsorings: Unterstützung bei Ausrüstung und Bekleidung

Geboren 1966 in Lienz in Osttirol und von Geburt an blind. Eine schwere Netzhauterkrankung zerstörte mein Augenlicht schon vor meiner Geburt. So meistere ich mein Leben ohne Licht und als eine sehr große Leidenschaft habe ich trotz meiner Blindheit die extreme Bergsteigerei für mich schon früh entdeckt.

Tour: Cassin 2005

Es war eine wirklich einzigartige Seilschaft, die sich am 18.07.2005 gegen 5.30 Uhr morgens zum Einstieg eines Klassikers im Gebiet der berühmten Drei Zinnen bewegte.
Irkutsk empfängt uns freundlich und unaufgeregt. Wir verbringen unsere ersten Tage in den Mühlen der Bürokratie und üben uns in Geduld. Am vierten Tag der Reise steigen wir endlich auf die Räder.

Als einziger der sehen kann, führte der 40 jährige beidseits beinamputierte Prof. Hugh Herr aus Boston USA den Blinden 36 jährigen Erik Weihenmayer aus Colorado USA und den ebenfalls blinden 39 jährigen Andy Holzer aus Lienz in Osttirol zum Einstieg der Cassinroute.

Riccardo Cassin hat mit seinen Gefährten die Südwand des Preußturmes im August 1934 als Erster erklettert. Wenn man sich vor Augen hält, dass diese extreme Klettertour im unterem siebten Schwierigkeitsgrad bewertet ist, so war diese Erstbesteigung noch vor dem ersten Weltkrieg eine alpine Großtat.

Hugh Herr wechselte am Schuttband, wo die mit 12 Seillängen im V, vielfach im VI und die Schlüsselstelle im VII-Schwierigkeitsgrad verlaufende Cassinführe beginnt, erstmal seine Wanderbeine  gegen seine Kletterbeine  aus, während Andy Holzer und Erik Weihenmayer die Trekkingschuhe gegen die Kletterschuhe wechselten. Herr verlor nach einem Kletterunfall 1982, bei dem er zwei Tage lang in einem eisig kalten Gebirgsbach zu liegen kam, aufgrund von Erfrierungen, schließlich beide Beine unterhalb der Knie. Er warf trotz seiner aussichtslosen Lage bezüglich Bergabenteuer seinen Sinn des Lebens nicht über Bord, sondern beteiligte sich wesentlich an der Entwicklung von Spezialprothesen, mit denen er sich seine Visionen nun wieder verwirklichen kann. Ca. 3 cm im Durchmesser und unterschenkellange Titanstäbe mit kleinen Fußschaufeln, an denen die Klettersohle fixiert ist, verhelfen Hugh Herr zu einem eleganten und sicheren Fortbewegen im schweren Fels. Eric Weihenmayer war der erste blinde Mensch, der den Gipfel des höchsten Bergtes am Erdball, den Mount Everest erreicht hat. Weiters hat er als einer von wenigen die sieben höchsten Gipfel aller Kontinente, auch genannt Seven Summits , bezwungen. Er verlor sein Augenlicht mit 13 Jahren nach einer irreparablen Augenerkrankung.

Andy Holzer erblickte das Licht  der Welt bereits ohne Augenlicht. Unzählige Wanderungen mit seinen Eltern in der Kindheit weckten bei ihm schließlich den unbändigen Drang, das Bergsteigen in allen Fasetten kennenzulernen. Nachdem aber der Bruder seiner Mutter bereits mit 17 Jahren beim Klettern in der Hochstadel-Nordwand durch eine Steinlawine den Tod gefunden hatte, war es für seine Eltern wohl mehr als schwierig, die Leidenschaft ihres blinden Sohnes positiv zu unterstützen. Trotzdem rang sich sein Vater schließlich durch, und machte für Andy eine richtige  Klettertour mit einem sehr erfahrenen Bergsteiger aus. Da beim Wandern das Stabilisieren des Oberkörpers durch Hängenbleiben mit den Füßen an diversen Hindernissen immer sehr anstrengend war, war es für ihn beim ersten Felskontakt klar, dass das Steigen mit Händen und Füßen ja um Vieles einfacher und genussvoller ist.
So wurden seine Touren immer häufiger und anspruchsvoller, bis er dann mit seiner Frau Sabine, seiner Mutter und anderen Begleitern auch Klettertouren bis zum unteren V Schwierigkeitsgrad sogar als Seilführender beweltigte. Immer bessere Kletterkameraden teilten sich mit Andy das Seil, und so bewegt er sich nun in sehr schwierigen und anspruchsvollen Touren als zuverlässiger Kletterpartner durch manche Felsbastion.

Im letztem Sommer durchkletterte Holzer zum Beispiel die Nordwand der Großen Zinne (via Comici). Die über 17 Seillängen führende und im VII Schwierigkeitsgrad bewertete weltberühmte Steilwand hat schon so manchen starken Kletterer zum Rückzug gefordert. Bei einem Filmprojekt im Sommer 2004 an der Gelben Kante an der Kleinen Zinne wollte es der Zufall, dass der blinde Andy Holzer in der vierten Seillänge über den blinden US-Amerikaner Erik Weihenmayer stolperte . Seitdem haben sich ihre Wege nie mehr ganz getrennt.

So lud Weihenmayer Andy Holzer und Hugh Herr zu dieser wohl spektakulärsten Klettertour einer komplett selbstständigen Behindertenseilschaft  im Zuge eines Symposiums für Abenteuer trotz Behinderung (No Barrieres Dolomiti) in Cortina Italien ein. Die Klettertour selbst gestaltete sich für ihn, so Holzer, nicht anders, als er es bei seinen vielen schweren Routen gewohnt ist. Die Titanbeine kann ich ja nicht sehen, nur das metallische klirren beim Anstoßen eines Karabinas an seinen dünnen Unterschenkeln hat mich an Hughs Behinderung erinnert . Erik Weihenmayer und Andy Holzer sicherten Hugh Herr und folgten Herr als Seilzweite problemlos. Nach guten 5 Stunden haben die drei äußerst entusiastischen Abenteurer die Cassinroute ohne Behinderung  erklettert. Ein amerikanisches Filmteam brachte die sicherlich großartige Leistung auf einen Streifen und so wird man hoffentlich auch in Europa diese gelungene Realisierung von Träumen über manche Leinwand flimmern sehen.

Als nächstes Ziel sieht Andy Holzer eine Besteigung des höchsten Berges von Afrika, den 5895m hohen Kilimanjaro über die Mahamroute, wo außer ihm, Erik Weihenmayer und noch 6 blinde und ein amputierter Climber, einen Traum zur Wirklichkeit machen wollen.